Beiträge von Ralf Auraß

    Zum Thema RS-1, als dieser Anfang der Neunziger von der damaligen ABB Waggonunion Berlin entwickelt wurde, war er als Nachfolger des NE81 konzipiert. Wer den NE81 kennt, weiß, daß dieser gerade im süddeutschen Raum gerne als Lokomotive mit Fahrgastbeförderung eingesetzt wurde, halt ein Schlepptriebwagen.

    Die ersten potentiellen Kunden (HzL, SWEG und WEG) waren klassische NE81 Betreiber und wollten soetwas wieder. Auch wenn die Antriebsanlage des RS-1, die aus zwei modifizierten Bus Power Packs besteht, bei weitem die Beförderung von kurzen Zügen nicht hergab, wurde als erste Version die mit Regelzug- und Stoßeinrichtung entwickelt und gebaut.

    Wir haben damals Versuche auf der WEG gefahren mit 5x beladenen Res Wagen an zwei RS-1 dran, es ging, war aber eine Quälerei. Die beiden VT schafften es nicht die Fuhre in einer Steigung in kurzer Zeit bis auf 30km/h zu beschleunigen und damit aus dem Wandlergang des Getriebes zu kommen, so daß wegen Ölübertemperatur in Traktionssperre gefallen wurde.

    Ein NE81 schleppte uns dann raus....

    Nicht desto Trotz zogen später einige RS-1 gelegentlich ein / zwei Wagen, z. Bsp. als Fahrradtransporter.

    Für die späteren Fahrzeuge mit MPK war das alles kein Thema, hatten diese ja dann auch keine HLL mehr zum Bremsen von Wagen.

    Soviel als kurzer Diskurs in die RS-1 Geschichte, es gäbe dazu noch viel zu erzählen...

    Das ist interessant, daß über eine Wiederaufnahme des SPNV nachgedacht wird. Es wäre super, wenn daraus was werden würde.

    Die Idee dies mit einem Flügelzugkonzept anzugehen ist ja heutzutage nichts Neues mehr und drängt sich geradezu auf.

    4x RS-1 ab Leipzig, in Beucha einer davon nach Trebsen, in Großbothen einer nach Rochlitz (Narsdorf?) und zwei final nach Döbeln / Meißen / DD. Geht natürlich auch mit Lint, Desiro und Co.

    Und wie Thomas schon schrieb, die Zugangsstellen ggf. mehr in Ortsnähe anlegen würde auch helfen, Bahnsteige müssten ja eh gemacht werden.

    Ich würde das alles sehr begrüßen!

    Danke Thomas für das Nachreichen der Fotodaten. Da kann ich jetzt einiges besser einordnen.


    Zur 24 083 ist vlt. noch interessant zu wissen, daß diese 1993 in Meiningen einen neu gebauten Kessel bekommen hat. Ob sich die damalige Investition schon gerechnet hat :/


    Diese Lok unter Dampf wäre schon was sehr besonderes.


    Viele Grüße

    Ralf

    Hallo Thomas,

    sehr interessant, was Du uns da zeigst. Ich habe zwar schon mal von dem Lohburger Verein gehört aber ansonsten nicht viele Infos dazu gefunden.

    Das ist ein sehr feiner Wagenpark dort.


    Kannst Du noch sagen, von wann die Bilder sind?


    Viele Grüße

    Ralf

    Hallo werte Forengemeinschaft,


    ich hatte mich 2005 aufgemacht, um in Colditz einigen Aufnahmen aus Betriebszeiten der Mulde(n)talbahn, Bilder des damaligen IST-Zustandes gegenüber zu stellen. Das ist mittlerweile nun schon wieder 15 Jahre her – man glaubt es kaum!


    Gedachte ich damals des traurigen Anlasses, daß seit fünf Jahren in Colditz kein Bahnverkehr mehr stattfand, muß man heute sagen, vor ZWANZIG Jahren fuhr der letzte Zug ab. Ich bin schon schockiert, wie lange das alles her ist.




    Bahnhof Colditz am 4. Januar 2005


    Im Mai dieses Jahres jährte sich nunmehr zum zwanzigsten Mal der „schwarze Tag“ für Colditz, als der letzte planmäßige Zug auf der Muldentalbahn ab Colditz nach Großbothen fuhr. Damit folgte dem wirtschaftlichen Niedergang auch das Aus für den bis zur Wende wichtigsten Verkehrsträger in Colditz.

    Nachdem bereits im November 1999 der Zugverkehr zwischen Colditz und Rochlitz unterbrochen wurde, war dann im Mai 2000 für Colditz der Zug endgültig abgefahren. Mit dem LVT 772 148 verabschiedete sich nach fast exakt 125 Jahren die Eisenbahn aus Colditz.


    Die Bilderserie beginnt an der nördlichen Bahnhofseinfahrt am Stellwerk B2, führt vorbei am Empfangsgebäude, der südlichen Bahnhofsausfahrt am Stellwerk B1 und der Schrankenanlage über die B107 zum Haltepunkt Colditz Porzellanwerk. Ich habe versucht bei den Bildern des Jahres 2005 aus der Erinnerung heraus identische Fotostandpunkte zu früher zu finden, was oftmals auf Grund der üppigen Vegetation nur schwer machbar war.


    Wie es heute in Colditz aussieht kann ich leider nicht sagen, ich war das letzte Mal 2014 vor Ort. Vielleicht kann ja jemand, der in der Nähe wohnt mal den Zustand erkunden, Überraschungen zum Positiven erwarte ich mir derzeit aber nicht.


    Also los geht´s:



    Bildpaar 1: Als im November 1999 sich 928 591 von Großbothen kommend am Stellwerk B2 vorbei den Weg in den Colditzer Bahnhof „sucht“, standen die dunklen Wolken schon deutlich am Horizont. Wenige Tage später war in Colditz die Zugfahrt schon zu Ende, da die Strecke wegen der schon mehrfach erwähnten defekten DKW in der Rochlitzer Bahnhofseinfahrt ab Colditz gesperrt wurde.



    Im Januar 2005 ist das Stellwerk vernagelt, die örtliche Jugend hat den Reiz des verlassenen Gebäudes erkannt und schon aktiv an der „Umnutzung“ gearbeitet. Das der rechts zu sehende Dschungel noch fünf Jahre früher regelmäßig von Zügen durchfahren wurde ist kaum vorstellbar.



    Bildpaar 2: Auf der Rückfahrt von Rochlitz nach Großbothen hält 628 591 kurz vor dem Colditzer Empfangsgebäude. Man sieht hier schon deutlich, daß im November 1999 das Interesse der DB AG an der Muldentalbahn stark nachgelassen hat. Zu DR-Zeiten sah es so gewiß nicht aus!



    2005 hat sich der Grundstock für einen respektablen Wald gebildet. Die Birken, auch hier, wie in der Schule gelernt, als „Erstbesiedler“ tätig, haben mittlerweile einen Stammdurchmesser von bis zu 10cm erreicht. Ebenfalls faszinierend zu sehen, mit welcher „Sorgfalt“ jemand sämtliches Glas aus der Weichenlaterne herausoperiert hatte.



    Bildpaar 3: Im September 1987 macht sich 50 3551 bereit für die Fahrt vor dem mittäglichen Sandzug nach Glauchau. An der Laderampe links neben dem Zug stehen weitere Wagen bereit, im Mopedschuppen stehen die Fahrzeuge der morgendlichen Berufspendler, neben der Gepäckkarre auf dem Bahnsteig liegt Fracht bereit – ein Bild voller Leben.



    Achtzehn Jahre später herrscht gespenstige Stille und die Natur holt sich die Fläche zurück



    Bildpaar 4: Die DR wird „wiedervereinigt“, November 1991. Eine Zeit voller Hoffnung und Ängste, Umbrüche stehen an und Altgewohntes ändert sich mit nie geahnter Heftigkeit. Hier steht 112 687 vor einem Sandzug bereit. Bereits ihrer Schilder beraubt ist zu erkennen, daß sie bald ihre Identität wechseln wird, das vereinheitlichte Nummernschema von DB und DR hält Einzug. Ansonsten ist das Leben im Bahnhof Colditz nahezu normal, nur der Güterverkehr ist merklich zurückgegangen.


    Vierzehn Jahre später an gleiche Stelle …. der Anblick macht einfach nur traurig und wütend. Hier sieht man, wie einstmals wichtige Verkehrsinfrastruktur verkommt. Letztendlich ist der heutige Zustand dieser Bahnlinie auch ein indirektes Resultat der Umbrüche Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts und einer verfehlten Verkehrspolitik.



    Bildpaar 5: Bei schönstem Sonnenschein im Jahre 1987 beginnt 50 3673 vor dem Sandzug ihre Reise nach Glauchau. Ein damals alltäglicher Anblick.



    Zu Beginn des Jahres 2005 ist deutlich, daß sich der alltägliche Anblick gewaltig verändert hat. Der BHG-Anschluß ist abgebaut, die Gleise zugewuchert, der Bahnübergang provisorisch überteert. Das Stellwerk B1 im Hintergrund ist verwaist, es gibt eh nichts mehr zu stellen.
    Erfreulich“ der dezente Hinweis auf die Straßenschäden vor dem Bahnübergang und das Werbeplakat – „modern times“!



    Bildpaar 6: Nur wenige Schritte entfernt vom Bahnübergang an der südlichen Bahnhofsausfahrt führt ein Fußgängersteg über die Gleise der Muldentalbahn. Hier müht sich im Sommer 1987 50 3673 damit ab, ihre Fuhre in Schwung zu bringen. Bei Regenwetter ein Unterfangen, das dem Personal viel Fingerspitzengefühl abverlangte. Neben den Gleisen das Areal wurde von einem Anwohner zur Eigenversorgung mit Obst und Gemüse genutzt.


    Heute braucht´s das alles nicht mehr, Obst und Gemüse gibt’s genug im Supermarkt, die Güter fährt der LKW und die Menschen haben ein Auto.



    Bildpaar 7: Der gleiche Ort, wir schauen dem Zug hinterher. Im September 1983 tobt 50 3523 an den Beeten des oben erwähnten Kleingärtners vorbei.



    Im Jahre 2005 ein Bild der Trostlosigkeit. Nur der Kilometerstein 48,6 schaut aus dem zugewachsenen Areal standhaft heraus.



    Bildpaar 8: Bei Kilometer 47,8 liegt der Haltepunkt Colditz Porzellanwerk. 112 429 fährt soeben am Vorsignal des Colditzer Bahnhofes vorbei Richtung Rochlitz. Am hinteren Geländer erkennt man, daß hier die Muldentalbahn über die Unterführung der Straße zum Porzellanwerk führt. Auch Diesel´s machen unter Last einen prima Sound, stellte ich damals fest.



    Heute hört man nur noch Dieselsound unterhalb der Bahn von der Gummikonkurrenz. Die Bahnstrecke ist zugewuchert, das Vorsignal dunkel und die Bahnunterführung ist für die meisten LKW zu eng. Die Colditzer Stadtväter spekulierten 2005 auf das dauerhafte Ende der Bahn um dieses Nadelöhr beseitigen zu können.



    Bildpaar 9: Am 11. April 1987 ist 50 3688 in voller Fahrt mit ihrem Zug zu beobachten gewesen. Ein eindrucksvolles Schauspiel. Das Porzellanwerk war damals voll ausgelastet, Colditzer Porzellan ging in alle Welt. Am Ort war dieses allerdings nicht zu bekommen. Auch eine Erinnerung an das wundersame DDR Wirtschaftssystem.



    Doch auch der „Aufschwung Ost“ ist nicht so wunderbar. Die Bahn ist tot, na das ist nun nichts neues mehr, das Porzellanwerk aber auch! Wo einst der Plan übererfüllt wurde haben die Treuhandanstalt und der „Westinvestor“ Tatsachen geschaffen. Ein Konkurrent weniger und dreiviertel aller Colditzer ohne Arbeit! Respekt!

    Heute ist an dieser Stelle auch von den Baulichkeiten des Porzellanwerkes nicht mehr viel zu sehen, der größte Teil des Werkes wurde abgerissen…


    Hiermit endet die Bilderreise auf der Muldentalbahn in Colditz, so wie 50 3688 mit ihrem Sandzug in der Ferne verschwunden ist verschwand auch die Eisenbahn insgesamt aus der Muldentalregion. Das dies so kommen würde, war nicht absehbar. Aber wie die Arbeitsplätze einer ganzen Region verschwanden, verschwand auch der Transportbedarf, wer hatte noch Güter zu versenden oder musste noch zur Arbeit? Und zum Spaß mit der Bahn zu fahren war dann einfach zu teuer.


    Man kann nur hoffen, daß die Muldentalbahn doch dereinst wie Phoenix aus der Asche auferstehen wird. Die derzeit diskutierten möglichen Reaktivierungen von Bahnstrecken in Sachsen, darunter auch die Muldentalbahn zwischen Großbothen und Rochlitz, lassen die Hoffnung aufkommen, daß das letzte Wort noch nicht gesprochen ist – lassen wir uns überraschen.

    Hallo Thomas,

    das ist ja wunderbar, daß Du die Mulde(n)talbahn wieder in Erinnerung holst. Ich bin eben erst über diesen Faden gestolpert und hab mich sehr gefreut. Beim Betrachten des Bilderreigens sind viele Erinnerungen an die Achtziger und die letzten Jahre des DR Dampfes aufgekommen - sehr schön.

    Auch an die Zeit, als ich täglich von Colditz mit dem Zug zur Penne gefahren bin, denke ich wieder mit Freude und auch Wehmut zurück.

    Ja, an dieser Strecke hängt genauso mein Herz und das derzeitige Elend stimmt mich nur unendlich traurig.

    Es wäre schön, wenn aus den Überlegungen zur Reaktivierung im SPNV nach Rochlitz, wenn auch nur in Teilen, was werden würde.

    Aber eines ist sicher, es wird nie wieder so, wie wir es in Erinnerung haben.


    Also wollen wir noch weiter in Erinnerungen schwelgen...


    Schönen Abend Dir und allen anderen Bimmelbahnforianern


    Ralf