Beiträge von 99 246

    Die dampffreie Zeit auf der Harzquerbahn ist seit heute zum Glück wieder vorbei!

    Heute gabs einen größeren Loktausch. Die wieder gesundete Ballerina 6001 ist abends in Eisfelder Talmühle wieder in ihren Selketaldampfumlauf eingeschert, Harzbulle 7240 ist wiederum vom Selketaler in den Nordhäuser Dampfumlauf gewechselt, sowie Kanne 874 trollte sich aus dem Nordhäuser Dampfumlauf heraus und fuhr Lz gen Wernigerode davon.

    Ich fände es eher interessant, was man an den Konstruktionen nach heutigen Erkenntnissen noch optimieren könnte. Man könnte ja einfach eine abgestellte, verschlissene Lok der BR 99.23-24 nehmen und die nach allen Regeln der Kunst als modernisierten Prototyp technisch optimiert neu aufbauen. Also z.B. Rollenlager, verbesserte Isolierung, und sonstige Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung ausnutzen. Dann ausgiebig im Betrieb erproben und die bewährten Dinge in die Optimierung/Moderniserung des Betriebsparkes einfließen lassen. Denke mal, da dürfte sich noch einiges rausholen lassen.


    Da reicht ein einfacher Blick über den deutschen Tellerrand hinaus, wo der hysterische Klimahype nicht angekommen ist. In vielen Teilen der Welt sind massenhaft neue Kohlekraftwerke und die Erschließung neuer Kohlemienen geplant. Da wird es theoretisch auch in vielen Jahrzehnten keine Probleme geben, für Dampfloks geeignete Lokkohle zu bekommen. Die kommt dann halt bloß aus Russland, China, Indien oder Afrika.


    Wo ist der wesentliche Unterschied?


    Einerseits baue ich eine Lok der BR 99.32 für den Molli komplett neu nach, weil man eine zusätzliche Lok benötigt. Andererseits werden vorhandene Loks im Rahmen einer "Rekonstruktion" ebenfalls komplett neu gebaut und lediglich einige Kleinteile und Schilder von den vorhandenen Loks übernommmen, siehe die betriebsfähigen Loks der BR 99.77-79, die (bis auf vereinzelte Ausnahmen) im wesentlichen komplette Neubauten von Anfang der 90er sind.

    Bei den Harz-Bullen macht man den "Neubau" wiederum scheibchenweise. Erst neue Rahmen, dann neue Zylinder sowie hier und da neue Großbauteile, irgendwann werden auch neue Kessel fällig sein.

    Im Endeffekt ist egal, wie man es macht. Es kommt so oder so ein ähnliches Ergebnis bei raus!


    Ohne diese aufwendigen Neubauten, ob nun auf einen Schlag oder scheibchenweise über mehrere HU-Perioden, würden die Loks auch kaum so viele Jahre im stressigen Plandienst durchhalten.

    Eigentlich ist es ganz einfach. Laut dieser Studie kommen >20 % der Harztouristen aus allen Teilen der Welt hauptsächlich wegen der Dampfbahn in den Harz. Dazu kommt, diese "Dampfbahntouris" lassen 9 mal soviel Geld im Harz, wie die öffentlichen Zuschüsse an die HSB betragen. Volkswirtschaftlich betrachtet ist die HSB also eine reine Goldgrube!


    Auch Vergleiche mit der Zugspitzbahn, der Thüringerwaldbahn und dergleichen sind sinnlos. Erstere ist rein als Verkehrsmittel zur Zugspitze interessant. Keiner fährt wegen der Bahn selbst dahin, die ist nur Mittel zum Zweck. Die Thüringerwaldbahn ist ebenfalls keine wirkliche Attraktion. Die stand schon mehrfach kurz vor der Einstellung, ist auch allenfalls regional bekannt, oder bei Straßenbahnfans. Würde wohl kaum Jemanden interessieren, wenn es die nicht mehr gäbe!


    Aber auch ansonsten ist die HSB ein Schnäppchen!

    Sie erwirtschaftet (dank Brockenbahn) einen Kostendeckungsgrad von 61 % selbst, der öffentliche Zuschuss beträgt nur 12 €/km, anstatt etwa 30 €/km bei vergleichbaren sächsischen Schmalspurbahnen.

    Mit diesen Zahlen steht die HSB beim Kostendeckungsgrad etwa erheblich besser da wie ein Großteil des bundesweiten SPNV, der lediglich 20 - 40 % Kostendeckung aufweist. Auch die öffentlichen Zuschüsse je Kilometer liegen im ländlichen SPNV abseits großer Metropolen bei 11 - 14 €/km. Aber für dieses Geld pendelt dann lediglich ein lumpiger VT den ganzen Tag auf einer Stichbahn hin und her!


    Wenn man sich dieser Zahlen bewusst wird, dann ist es wahrlich keine Schande, die öffentlichen Zuschüsse für eine derartige Attraktion wie die HSB deutlich zu erhöhen! Einerseits, um natürlich die Mitarbeiter marktgerecht zu entlohnen und zu halten, andererseits, um den Fahrzeugpark und das Umfeld dementsprechend in Schuss zu halten. Was den Sachsen und Mecklenburgern ihre Dampfschmalspurbahnen wert sind, sollte den Anhaltinern/Thüringern ihre HSB auch wert sein!



    Selbst wenn da modernste Triebwagen relativ schnell durch den Harz fahren würden, wären die leer. Dafür leben im Harz einfach zu wenige Menschen. Und ohne Menschen keine Fahrgäste. Und die Touris lassen sowas allgemein links liegen, es sei denn, es gibt keinen anderen Weg.


    Die Schweizer Bergbahnen genießen eine Sonderstellung, wegen der Umgebung im einzigartigen Alpen-Hochgebirge. Da sind sie auch weitestgehend konkurrenzlos als Verkehrsmittel. Dort ist das einzigartige Hochgebirge das Hauptziel, trotz der modernen Triebwagen. Im Harz ist es genau umgekehrt. Dort ist der Dampfbetrieb das Hauptziel, die schöne Landschaft nur die Zugabe. Denn ähnliche Mittelgebirgslandschaften wie den Harz gibt es in Deutschland und Europa öfters.


    Der Harz mit modernen Triebwagen, da könnte ich ansonsten genauso gut auch mit dem ET auf den Schwarzwaldstrecken herumfahren. Komisch nur, die dortigen Bahnen sind nicht gerade als Touristenmagneten bekannt, trotz vergleichbarer Mittelgebirgslandschaft wie im Harz. Aber das größere Touri-Scharen aus aller Welt zur Höllental- oder Schwarzwaldbahn fahren, weil sie besondere Attraktionen sind, habe ich noch nie gehört!

    Warum waren und sind die VTs dann von Anfang an eher schlecht besetzt? Kein Touri will mit einer Straßenbahn durch den Harz fahren!

    Ist auch mit dem Ausland nicht zu vergleichen. Zillertal, Pinzgau usw. sind alles dicht besiedelte Regionen. Da lohnt sich die Schmalspurbahn als moderner ÖPNV, aber mit Sicherheit nicht bei den paar Einwohnern entlang des HSB-Streckennetzes.

    Na so eng würde ich das nicht sehen und Du tust dem Selketal Unrecht. Das hat es nicht verdient! Eine Fahrt mit dem Fischbrötchen hat auch was. Ist es doch ein Triebwagen aus den 50er Jahren (wenn es die beiden alten TW sind) und selbst ein Museumsstück, wenn auch ein wenig umgebaut. Ein wenig rauchen kann der auch...


    Ich habe prinzipiell nichts gegen die VTs. Zum fairen (Bus-)Fahrpreis gerne, aber mit Sicherheit nicht zum vollen Dampffahrpreis, wo mit Anhang schnell mal 70 € weg sind. Da stimmt einfach das Preis-/Leistungsverhältnis vorne und hinten nicht! Die Fischstäbchen hab ich in der Vergangenheit in der Regel nur benutzt, wenn ich mit den Mehrtagestickets unterwegs war.

    Ansonsten, im Selketal gibt es außer wunderschöner Landschaft und Dampfbahn so gut wie nichts, was ich nicht schon gesehen und besucht habe. Da haben andere Ecken im Harz auch weit mehr Attraktionen zu bieten! Bin schließlich mehrmals im Jahr dort. Aber das Versagen der HSB-Führung werde ich nicht auch noch belohnen, indem ich mehrere Dampffahrkarten zum Regelpreis kaufe, und dafür mit einem billigen VT abgespeist werde.


    Wenn das so weiter geht, können sie die Selketalbahn bald zusperren!