Beiträge von Nuke

    Es freut mich sehr, dass der Bericht solch positive Resonanz hervorgerufen hat.


    Neidisch braucht man nicht sein auf die Schweden, lieber freue ich mich, dass es einen so tollen Flecken Erde mit solchen tollen Menschen mit ihrer Bahn gibt. Alleine dieses Wissen macht ein Stückchen glücklicher. Wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dort war. So viel ist sicher. Kontakte sind ja nun auch geknüpft. :zwink:


    Grüße aus Frankfurt,

    Rafael

    Hallo zusammen,


    im nächsten Arbeitsschritt wurde der Kessel begutachtet. Er ist nicht neuwertig, jeoch in großten Teilen noch gut brauchbar. Die Rohre sind schon seit geraumer Zeit ausgebaut, somit entfällt diese aufwändige Arbeit. Dennoch musste die feuerbüchsseitige Rohrwand einmal abgeschliffen werden, damit die neuen Rohre vom Kesselschweißer eingeschweißt werden können. Eine schweißtreibende und eher unangenehme Aufgabe, bei der man von unten in die, bei Feldbahnloks sehr enge, Feuerbüchse kriecht und dann mit einem Winkelschleifer die Rohrwand vorsichtig bearbeitet. Nichts für Klaustrophobiker und Stauballergiker, wie ich inzwischen weiß. :S

    Weiterhin wurden die Stehbolzen vorsichtig ausgebohrt. Diese setzen sich gerne im lauf der Jahre mit Dreck und Rost zu.


    IMG_7548.JPG




    Sorry für das verwackelte Bild, hatte leider kein Anderes mehr.


    IMG_7556.JPG





    Der Rauchkammerboden war bereits bei Ankunft der Lok (nicht besonders gut) ausgeschnitten. Hier wurde ein 'Flicken' eingesetzt. Das ist eine recht gängige Praxis, da der Rauchkamemrboden ein von Korossion sehr stark beanspruchtes Bauteil am Kessel ist. Durch die Rußablagerungen und dem nicht vermeidbaren Kondensieren von Wasser in der Rauchkammer und den Rohren bildet der Schwefel in der Kohle mit dem Wasser eine für Stahl ungünstige Symbiose.

    Der Blechfilicken muss vorher maschinell vorgebogen werden. Aber auch so ist die korrekte Ausrichtung und Fixierung eine nervenaufreibende Sache.



    IMG_7735.JPG



    IMG_7880.JPG


    Später wurden noch die endgültigen Schweißnähte gesetzt und verschliffen.




    Sorgen bereite dagegen der untere Bereich des Stehkessels. Hier waren die Wandstärken und auch die Niete stark korrodiert, weswegen die Entscheidung fiel diesen Bereich des Kessels bis oberhalb der Waschluken zu erneuern. Diese Arbeit kann nicht bei uns im Museum erfolgen, weswegen der Kessel im Ganzen zu einer Fachfirma transportiert und repariert werden muss.


    IMG_7861.JPG




    Da vor der Kesselreparatur erst einmal nichts weiter daran gearbeitet werden kann, konzentrierten sich ab da die Arbeiten auf die Wiederherstellung der Blechaufbauten. Lediglich die Rauchkammertür wurde noch abgebaut um sie in Ruhe aufarbeiten zu können.


    Der Zustand der Bleche ist durchweg mäßig bis schlecht, wie im folgenden Bild zu sehen. Zwar ist der Anspruch immer möglichst viel Originamlaterial zu erhalten, die Rückwand des Führerhauses kam dafür aber leider nicht mehr in Frage und wurde neu angefertigt.


    IMG_8058.JPG





    IMG_8061.JPG



    IMG_8082.JPG










    Hier verlässt die RIIIc die Werkstatt und sieht nach längerger Zeit mit neuer Rückwand mal wieder etwas Sonne.




    Blecharbeiten werden uns auch im nächsten Beitrag noch beschäftigen.



    Grüße aus Frankfurt,

    Rafael

    Moin Sven!


    Danke für die Ergänzung und Korrektur. Dann hatte ich die Ausführung von Lok 2 wohl falsch verstanden. Hatte die Info nur mündlich vom Personal dort und habe sie nicht weiter nachgeprüft.


    Bilder von der Werkstatt habe ich, neben vielen anderen Motiven, auch einige gemacht, wollte den Bericht aber auch nicht zu ausufernd werden lassen. In der Tat ist die Werkstatt ein Traum. Alleine die Schreinerei und der Webstuhl für die Schmierpolster, sagenhaft.

    Dag Bonnedal war auch unser Ansprechpartner vor Ort und hat uns auch durch die Werkstatt geführt.


    IMG_0731.JPG


    IMG_0664.JPG



    IMG_0665.JPG



    IMG_0675.JPG





    Das Bahnhofsgebäude in Taxinge-Näsby wird übrigens gerade saniert.


    IMG_0920.JPG





    Ein Bild der Flaggenzeremonie morgens in Marielund habe ich auch noch parat. Der erste Zug des Tages hält dort und die Flagge wird vom Zugpersonal nach oben gezogen.


    IMG_0902.JPG




    Gruß,
    Rafael

    Guten Morgen!


    Danke für die Blumen!



    Ich mag Lok 2 ausgesprochen gerne (auch wenn ich bezweifle, dass sie aus dem Jahr 1091 stammt). 1B'1-Maschinen finde ich sowieso toll, aber dann noch mit Außenrahmen und Stephenson-Steuerung.......herrlich.


    P.S.: seid ihr am kommenden Dienstag Abend am Werkeln? Ich bin in Frankfurt und gegen 20h mit der Arbeit durch.......oder ist das dann schon zu spät?


    Ich habe das Baujahr der Lok 2 mal inklusive einiger Tippfehler korrigiert. War schon spät gestern :alk:


    Am Dienstag Abend sind wir bestimmt am werkeln. Bis 21 Uhr sind wir mindestens dran. Komm einfach rum! :)



    Gruß,

    Rafael

    Liebe Bimmelbahner,


    die Bahn, zu der ich euch heute entführen möchte dürfte hier relativ unbekannt sein. Nichtsdestotrotz war ich von dem Besuch dort so begeistert, dass ich euch die Eindrücke, die ich dort gewonnen habe, nicht vorenthalten möchte.



    IMG_0818.JPG





    Die Östra Södermanlands Järnväg ist eine Museumsbahn ausgehend von Mariefred, nahe Stockholm, in 600 mm Spurweite. Sie ist eine der ältesten Museumsbahnen Schwedens und der Verein existiert bereits seit 1959. Die Bahn beherbergt zahlreiche Fahrzeuge von hauptsächlich 7 in Schweden existierenden Schmalspurbahnen in ebenjener Spurweite.


    Das heute existierende Streckennetz wurde auf zwei stillgelegten Regelspurstrecken um den See Mälaren errichtet und ist ca. 11 km lang. Fast alle Klischees über Schweden sind übrigens wahr, auch jenes, dass besagt, dass Schweden nur aus Wäldern und Seen besteht. In Mariefred ergänzt sich die malerische Landschaft um das königliche Slott Gripsholm, zu dessen Füßen übrigens Kurt Tucholsky begraben liegt.

    Die Schweden scheinen ein sehr entspanntes Völkchen zu sein. Sobald man das Land betrifft wird man ergriffen von einer eigenartigen aber sehr angenehmen Gelassenheit.


    Das Streckennetz hat die Form eines Y, wobei der Streckenast von Mariefred bis Läggesta ca 3,5 km und der Ast von Läggesta bis Taxinge, in dessen Schloss ein hervorragendes Kuchenbuffet geben soll, 7,5 km lang ist. Besonders erwähnenswert ist noch das Ausziehgleis vom Bahnhof Mariefred zum Schiffsanleger und auch der Bahnhof der Staatsbahn in Läggesta, wo man fußläufig zur Schmalspurbahn umsteigen kann.



    Map.png



    Der Fuhrpark der Östra Södermanlands Järnväg besteht aus Lokomotiven und Wagen, die aus Schweden stammen, dort hingeliefert wurden, oder bereits sehr lange dort in Betrieb waren, darunter auch einige Orenstein & Koppel Dampflokomotiven und Fahrzeuge von Decauville.



    Das Museumsgelände in Mariefred. Dies ist der betriebliche Mittelpunkt der Bahn.



    IMG_0628.JPG



    IMG_0630.JPG



    IMG_0648.JPG



    IMG_0738.JPG




    Am Tag unserer Ankunft war kein regulärer Betrieb. Die ganze Bahn wird von Ehrenamtlichen betrieben und fährt auch nur während der Sommermonate von Mai bis September.
    Da wir allerdings bereits erwartet wurden und für den nächsten Tag ein tolles Dampfspektakel mit 6 Dampfloks geplant war, war trotzdem Betrieb am Bahnhof. Lok 5 (O&K Mallet) wurde just an dem Tag wieder in Betrieb genommen. Für die fällige Probefahrt von Mariefred bis Läggesta wurden zu unserer Freude sogar ein paar Wagen angehängt.


    IMG_0637.JPG



    IMG_0735.JPG






    Der Wagenpark dort ist einfach der Knaller. Mindestens 12 oder 13 vierachsige schwedische Personenwagen in einem hervorragenden Zustand und teils auch mit einer Inneneinrichtung, die man auf 600 mm so nicht erwarten würde. Das ist schon gehobene Kleinbahnatmosphäre!






    Dieser Wagen ist übrigens ausschließlich Mitgliedern der schwedischen Königsfamilie vorbehalten, die die Bahn ab und an besuchen.


    IMG_0763.JPG



    Auf unserer kleinen Sonderfahrt nach bzw. von Läggesta zurück, gab es schöne Möglichkeiten für ungestörte Fotohalte und Scheinanfahrten.



    IMG_0780.JPG



    IMG_0788.JPG





    Der restliche Abend wurde wie im folgenden Bild verbracht, während Lok 5 fast eine Stunde lang Wagen hin und her rangierte und Zuggarnituren für den nächsten Tag bereit stellte.


    IMG_0833.JPG





    Das Wetter am nächsten Tag war deutlich grauer und kühler, trotzdem war viel am Bahnhof Mariefred. Es galt 6 Dampfloks anzuheizen. Der Erste Zug ging mit 11 Wagen (!) und Vorspann nach Läggesta. Was ein Spektakel! Alleine Lok Nummer 2 erzeugt eine Geräuschkulisse, die man von so einer kleinen Lok nicht erwartet. Sie ist die Urtype schwedischer Schmalspurloks und die Heißdampfausführung im Jahre 1901 durchaus bemerkenswert. Begleitet wurde sie von einer (Nachkriegs-) Brigadelok (Hartmann 4290/1919), die auch den Zug von Läggesta nach Taxinge zog, während Lok 2 mit der anderen Hälfte des Zuges zurück nach Mariefred in den Pendelverkehr ging.


    IMG_0631.JPG



    IMG_0896.JPG





    Lok 5 rollt Taxinge entgegen. Im Hintergrund Mariefred mit Slott Gripsholm.


    IMG_0960.JPG



    In Taxinge werden die Loks übrigens von Hand gedreht.



    IMG_0968.JPG




    Ganz besonders verliebt habe ich mich ja auch in das kleine O&K 'Powerpack'. Die kleinen B- und C-Kuppler, mit jeweils 20 PS, waren den Tag über immer zusammen unterwegs und bespannten zahlreiche Fotozüge. Ein Augen- und Ohrenschmaus! Falls mal so ein C-Kuppler zum Verkauf steht wird mich wohl jemand gewaltsam aufhalten müssen, wenn er die Lok haben will:frech:


    IMG_0972.JPG



    IMG_0951.JPG




    Wer die Bahn besuchen möchte, dem sei außerdem verraten, dass von Stockholm aus ein kohlegegefeuertes Dampschiff bis nach Mariefred fährt, wo man dann direkt am Pier in die Schmalspurbahn steigen kann. Eine standesgemäßere Anreis fällt mir nicht ein. Ergänzen lässt sich das mit einer Reise bis Taxinge, dem Besuch des Schlosses und der Abreise von Taxinge nach Stockholm zurück - ebenfalls via Dampfschiff!


    IMG_0974.JPG




    Ich hoffe, dass ich ein paar gute Eindrücke in die schwedische Dampfbahnwelt liefern konnte. Ich kann jedem einen Besuch dieser tollen Bahn und den netten Menschen sehr empfehlen!


    https://www.oslj.nu/


    Der Ein oder Andere wird bereits wissen, dass wir nicht (nur) zum Spaß in Mariefred waren, sondern dort auch ein dampfbetriebenes Fahrzeug erworben haben. Davon berichte ich aber auch noch ausführlicher.



    Grüße aus Frankfurt,

    Rafael

    Auch hier feudel ich mal kurz feucht durch.


    Auch wenn hier im Thread lange nichts mehr passiert ist, an der kleinen RIIIc ist dagegen sehr viel passiert. Aber Eins nach dem Anderen.



    Da der sichere Tritt auf dem Führerhausboden nicht mehr gewährleistet werden konnte, musste ein neuer Boden her. Das alte Blech zeigte ich ja bereits.


    IMG_7786.JPG



    IMG_7755.JPG



    IMG_7795.JPG



    IMG_7848.JPG



    Dem Lok Puzzle lagen auch Bremsklötze bei, deren Herkunft nicht mehr ganz geklärt werden kann. Teils passten sie nicht und wurden mit Nachgüssen von Henschel Bremsklötzen ersetzt. Für die Montage waren einige Anpassungen notwendig. Gebremst sind bei der RIIIc die erste und die dritte Kuppelachse.


    IMG_7760.JPG



    IMG_7764.JPG



    Ebenfalls montiert wurden die aufgearbeiteten Trittstufen. Sie behalten ihren 'Used-Look'. Leider ist das Bild wirklich gruselig belichtet, als nix für den Kalender :P


    IMG_7864.JPG





    Abschließen möchte ich diesen Beitrag gerne mit diesem Bild..


    IMG_7561.JPG



    ..denn im nächsten Beitrag widmen wir uns ersten Arbeiten am Kessel.



    Grüße aus Frankfurt,
    Rafael


    Hallo Matthias,


    Ich gebe die Anregung mal weiter. Es stellt sich allerdings die Frage wie gerechtfertigt der Aufwand ist. Ich meine ob die Schraube nun einen Zentimeter weiter rechts oder links sitzt? Ist das wirklich für die sachgemäße Restaurierung essentiell? Misst das jemand nach? Verändert man durch die Bohrung an der historischen Substanz nicht damit unnötig etwas?


    Gruß,

    Rafael

    Habe mir mal Luftbilder angeschaut, und ja, da wird das Ausmaß sichtbar.

    Um die Auslastung mache ich mir wenig Sorgen. Wenn Fahrzeugkonzept, Fahrzeiten, Anschlüsse usw. stimmen, dann wird das ein krachender Erfolg, vor allem in der Saison. Wer den täglichen Verkehrswahnsinn da mal mitgemacht hat, wird mir vermutlich zustimmen.

    Ich sehe das als große Chance da viele Dinge von Anfang an richtig zu machen (Stichworte: Brennstoffzellen-Triebwagen, 'saubere' Energie, Durchbindung nach Stralsund usw.).


    Sicher ist der Aufwand erst einmal immens, dennoch sehe ich da einen langfristig sehr großen volkswirtschaftlichen Nutzen.


    Gruß,

    Rafael