Beiträge von rekoheizer

    Bei einer Urlaubsreise nach England im Juni 2002 führte uns der Weg nach Wales auch an Leighton Buzzard vorbei. Es liegt etwa 45 M nordwestlich von London und dort verkehrt eine Schmalspur Museumsbahn, welche bis dahin für mich unbekannt war. Also was lag näher als sich die Sache mal näher zu betrachten und natürlich auch fotografisch zu dokumentieren. Vorab ein paar Informationen dazu. Die Leighton Buzzard Light Railway (LBLR) ist eine knapp 4,8 km lange Schmalspurbahn bei Leighton Buzzard in Bedfordshire, England mit 610 mm (2 Fuß) Spurweite. Die Bahnlinie wurde in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs gebaut, um Sand von den nördlich der Stadt gelegenen Sandgruben abzutransportieren. Sie wurde am 20. November 1919, in Betrieb genommen. In den 1960er Jahren wurde auf LKW-Transport umgestellt. Seitdem wird die Bahn ehrenamtlich als Museumseisenbahn betrieben Die Bahnlinie verläuft meistens durch ab den 1970er Jahren erbaute moderne Wohngebiete, nur die letzten 800 m führen durch die freie Natur. Es gibt mehrere Bahnübergänge, an denen die Schmalspurbahn halten muss, bevor sie mit Schrittgeschwindigkeit überquert werden. Heute Es gibt eine zahlreiche Sammlung von Dampf- und Diesellokomotiven, die auf der Bahnstrecke verkehren. Am Nordende der Bahnstrecke gibt es eine Ausstellung von Industrielokomotiven. Die Züge verkehren von Pages Park Station bis Stonehenge Works. An der Endstation ist auf einer Informationstafel das ehem. Streckennetz dieser Kiesbahnen dargestellt.



    Am Bahnsteig stand schon ein bereitgestellter Zug. Wir hatten aber nicht die Absicht mit zufahren, da wir anschließend unsere Fahrt mit dem Auto fortsetzen wollten.




    Der Wagenzug war bespannt mit der Lok N°11 PC Allen, gebaut bei Ohrenstein & Koppel 1913 unter der FabrikNr. 5834. Ursprünglich für den Einsatz in den Chemiewerken von Solvay & Cie., Torrelavega, Spanien gebaut. 1963 durch Sir Peter Allen erworben (daher der Name )und 1970 nach Leighton Buzzard transferiert.

    An der rechten Kesselseite hat man nachträglich eine Luftpumpe für die Bremseinrichtung angebaut.


       


           

    Da bis zur Abfahrt des Zuges noch reichlich Zeit war, habe ich mich mal nach den um den Lokschuppen stehenden Loks umgesehen.

    Den Verschub hatte die Diesellok „Creepy“ zu erledigen.



    Sie hatte die Lok ELF aus dem Haus zu Reparaturarbeiten gezogen. Diese wurde ebenfalls bei Ohrenstein & Koppel 1936 unter der Fabr.Nr, 12740 gebaut.

    Sie stammt aus der Likomba Development Company, Cameroon, Africa. Bis 1971 im Einsatz auf einer Plantage in Cameroon. 1972 erworben.

    Holzbeheizt, mit einem Funkenfänger. Inzwischen auf Kohle umgestellt.


    Etwas weiter hinten Stand ein größeres Exemplar Diesellok die „Beaudesert“. Dahinter wurde an der Lok 740 gewerkelt.

    Eben falls bei Ohrenstein & Koppel unter Fabr.Nr. 2343 aber schon 1907 für die Matheran Light Railway, Maharastra, India gebaut.

    Seit September 2002 in Leighton Buzzard in Betrieb.



    An die Seite gestellt war die Dampflok „Sezela“ N° 4. Welche 1917 von der Avonside Engine Company unter Fabr.Nr.1738 für die 200 km lange Strecke der Setela Sugar Cane Plantation in Natal Südafrika gebaut wurde.




    Im Schuppen stand noch so ein außergewöhnliches Gefährt, die Lok N°3 „Rishra“. Gebaut von der Baguley cars Ltd. Im Jahre 1921 für die Hoogly Docking & Engineering Co. Risha, Indien. Die einzige erhaltene Lokomotive dieses Typs. 1963 durch Mike Satow erworben. 1971 in Leighton Buzzard in Betrieb genommen, für den regulären Betrieb aber zu klein. Wird nur an besonderen Fahrtagen angeheizt.




    Und dann kam ein besonderes Gefährt von der Probefahrt angedampft. Eine kleine Ausführung mit stehendem Kesselaufbau und stehenden Zylindern.

    Wir haben sie zwar auf anderen Bahnen schon mal als Schrott rumstehen sehen, aber hier unter Dampf, das war Spitze.

    Es ist die Lok „Chaloner“ von De Winton 1877 ! gebaut für den Penyrorsedd Schieferbruch In Wales.

    Sie wurde 1968 hierher gebracht und ist auf Grund ihrer Größe auch nur zu bestimmten Höhepunkten im Einsatz.

    Wir hatten an diesem Tage Glück dass sie angefeuert war.



    Die Befeuerung erfolgt unterhalb des Fußbodens vom Lokführer mit der entsprechenden Schaufelgröße.




    Trotz der Kleinheit sind alle Sicherheitsvorrichtungen vorhanden und betriebsfähig. Der Kesseldruck wird natürlich in englischen Maßen ( Pfund/Quadratzoll –psi ) angegeben.

    Der Maximaldruck würde umgerechnet hier bei ca. 8 bar sein.




    Die beiden am Kessel angebrachten stehenden Zylinder Übertragen ihre Kraft auf die innen gekröpfte Antriebsachse welche durch Stangen mit der 2. Achse verbunden ist.




    Von den beiden Kastenaufbauten befindet sich im hinteren der Kohlvorrat, während der Wasserbehälter vorn seinen Platz findet.




    Gebremst wird das Ganze mit einer einfachen Spindelhandbremse die auf einen dicken Eichenholzklotz wirkt.

    Und man kann natürlich auch noch einen Rucksack voll Kohlen mitnehmen ;-))




    Inzwischen ist dann der Zug abgefahren und wir versuchen in dem Straßengewirr der Stadt noch ein paar Aufnahmen vom Zug zu erwischen.

    Hier beim wieder losfahren hach einem Sicherungshalt an einer Straßenquerung.




    Wenn die Straße nicht so stark befahren wird, kann der Halt auch mal ausfallen.




    Weiter führt die Reise mit dem ziemlich gut besetzten Zug durch das bebaute Stadtgebiet von Leighton Buzzard.




    Wir waren mit dem Auto etwas schneller an der Endstation und konnten den Zug schon erwarten.




    Dort waren diverse Kiesloren und andere Gerätewagenhinter einer etwas vorsintflutlichen anmutenden Gleissperre abgestellt.





    An der Endstation war dann vor dem Umsetzen der Lok noch Wasser ergänzen angesagt und an dem links hinten befindlichen Gelände der ehem. Kiesgrube konnten die Besucher einer Schaubaggerung und Lorenbeladung zuschauen.




    Wir hatten aber noch ein paar Meilen unseres Weges vor uns und so verließen wir diese etwas unspektakuläre Bahn und setzten unsere Fahrt nach Wales fort.


    Ich hoffe es waren ein paar interessante Rückblicke die Gefallen finden.


    Viele Grüße an alle Forenfreunde von Rudi.

    Hallo Thomas,

    hier eine Erklärung für den Stöpsel auf dem Mischvorwämerkasten.

    Wenn der Mischvorwärmerkasten ziemlich voll mit Wasser war, konnte es passieren, dass bei straffer Fahrweise durch den Abdampfsog aus dem Schornsten dort Wasser mitgerissen wurde. Das ist uns mit der 58.30 auch passiert und beim durchfahren von Brücken wo die Fahrleitung tiefer hing, kam es manchmal sogar zu Spannungsüberschlägen, die aber für das Lokpersonal ungefährlich waren. Ist mir selbst schon in meiner Heizerzeit passiert.

    MfG Rudi.