De Reis na Noordfreesland

    • De Reis na Noordfreesland

      Moin tosamen

      mit Hoogdüütsch geiht dat hier beter as op Platt... denn ich möchte hier einen neuen Thread eröffnen, da die Berichte im verlinkten Thread doch etwas über die Thematik Lorenbahn Nordstrandischmoor hinausgingen. Immerhin bietet Nordfriesland mit den Lorenbahnen und einigen anderen ehemaligen Schmalspurbahnen durchaus eine Vielfalt an möglichen Themen. Zunächst jedoch für Leseratten der Link zum alten Thread: Lorenbahn Nordstrandischmoor

      Nun habe ich in diesem Sammelthread im "Blick über den Tellerrand" die Möglichkeit der Berichterstattung über die:
      - Lorenbahn Lüttmoorsiel - Nordstrandischmoor (in Betrieb)
      - Lorenbahn Dagebüll - Oland - Langeness (in Betrieb)
      - Amrumer Inselbahn (stillgelegt)
      - Sylter Inselbahn (stillgelegt)
      - Kleinbahn Niebüll - Dagebüll (heute normalspurig unter der Betriebsführung der NEG)
      - Feldbahnmuseum in der Tolk-Schau

      und im Nachbarlandkreis Dithmarschen die:

      - Kreisbahn Norderdithmarschen (stillgelegt)
      - Feldbahn des Torfwerkes in Dellstedt (in Betrieb)

      Ein gelegentlicher Streifzug zur Eisenbahn auf der Halbinsel Eiderstedt sei mir auch gestattet. Dieser Bahnlinie habe ich seit einigen Jahren eine umfangreiche Homepage gewidmet, welche durch die Mithilfe vieler Bahn- und Heimatfreunde immer mehr an Gestalt gewinnt. Ein besonderer Dank geht hier an die Herren Alberto Brosowski (Verein zur Förderung und Dokumentation der Eisenbahngeschichte: VT92 501) und Fred Steen (Gesellschaft für Tönninger Stadtgeschichte: Tönninger Stadtgeschichte).

      Eisenbahn auf der Halbinsel Eiderstedt

      Zu Beginn dieses Threads möchte ich auf ein meist unbekanntes Thema eingehen, nämlich die Planungen für den Bau einer Inselbahn auf Föhr:

      Nach Eröffnung der Kleinbahn von Niebüll nach Dagebüll wurden auch auf Föhr Stimmen laut, die die Erschließung der Insel durch eine Bahn forderten. Aber erst 1906 wurde der Plan dank der Initiative von Eduard Boetius konkreter: Es sollte eine Bahngesellschaft unter Beteiligung der Wyker Dampfschiff-Reederei, der Stadt Wyk, der Kleinbahn Niebüll - Dagebüll und der Landgemeinden auf Föhr gegründet werden. Eine Linie sollte über den Südstrand und Nieblum und Utersum, die andere nördlich über die Dörfer nach Utersum führen. Dort sollte ein neuer Anleger entstehen und die HAPAG für eine Verbindung nach Hörnum auf Sylt gewonnen werden. Die Finanzierung dieser ehrgeizigen Pläne erwies sich jedoch als unmöglich.

      1911 gab es Bemühungen zur Errichtung einer "gleislosen Bahn", also eines Obus-Betriebes, die aber ebenfalls am mangelnden Kapital scheiterten. Nun kam es im Frühjahr 1913 zur Gründung der Föhrer Autobusgesellschaft, die am 11.06.1913 mit zwei Bussen den Betrieb auf einer Inselringlinie aufnahm. Doch das Zwischenspiel währte nur kurz, denn mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden die beiden Busse beschlagnahmt, was auch das Ende der Gesellschaft und des Kapitels "Föhrer Inselbahn" bedeutete.

      Zukünftig werde ich diesen Sammelthread sporadisch mit weiteren Beiträgen füllen.

      Freundlichen Gruß, René
    • Moin,

      wie die Menschen in früherer Zeit den Bau der Eisenbahn empfunden haben, zeigt dieser Zeitzeugenbericht aus Bönningstedt, an der Kiel-Altonaer-Chaussee gelegen. Die Gemeinde erhielt im Jahre 1884 Anschluss an die Altona-Kaltenkirchener Eisenbahn-Gesellschaft (AKE)... heute immer noch Bestandteil der AKN von Eidelstedt über Kaltenkirchen nach Neumünster. Auch wenn der Bericht nicht aus Nordfriesland ist, sondern aus Holstein stammt, ist er doch ein interessantes Zeitdokument. Er ist auf Plattdeutsch verfasst, da zu jener Zeit die Bevölkerungsmehrheit dieser Region auf Platt kommunizierte:

      Man weet hüt nich mehr, wie een Firma dat trechkreegen hätt, op den Sommerweg von de Chaussee een Gleis von de AKE (Altona Kaltenkirchener Eisenbahn) to leggen -von Quickborn bit Altno (Gählersplatz). De Anwohners hebbt sik erst freut, dat se nu een Bohnverbindung to Stadt harrn, un de Törffirma in Quickborn kunn ehrn Törf good an Kunden lebern. Ober dat duur nich lang, dor kämen de Beschwerden. Wogenperd un anner Veeh, wat lang de Stroot dreeben wörd, harn doch noch nie son Dampungetüm sehn. Se worden bang un wild un flüchten ober de Groben in de Gorns von de Anwohner. To Sekerheit müssen vor de Rod von de Lokomotiven iserne Platten montiert warn. Dat holp ober nich veel, un Hovaree gäw dat immer mehr. Lokführer un Kutscher warn sik ok nich immer eenig ober de Vorfohrt. Besonders de Buurn wull'n de Bohn von de Stroot hebben. Dat güng ober nich so gau. Doch dor passier een Malöör. Anni Feind, een 12 jährige Deern wörd mol ton Koopmann schickt. Se wull noch gau vor den Zug ober de Schienen, hokt mit'n Foot achtert Gleis un fallt hin. De Zug föhrt se ober un föhrt so dood. Nu duur dat nich mehr lang, bit dat Gleis in de Feldmark verleggt wörd. Dat war 1912.

      Da hier wohl nicht nur Plattschnacker lesen, möchte ich eine Übersetzung des Textes beigefügen:

      Man weiß heute nicht mehr, wie eine Firma es hinbekommen hat, auf den Sommerweg von der Chaussee ein Gleis von der AKE zu legen... von Quickborn bis nach Altona zum Gählersplatz. Die Anwohner haben sich zunächst gefreut, dass sie nun eine Bahnverbindung in die Stadt hatten, und die Torffirma in Quickborn konnte ihren Torf gut an die Kunden liefern. Aber es dauerte nicht lange, da kamen die Beschwerden. Wagenpferde und anderes Vieh, welches entlang der Straße getrieben wurde, hatten noch nie so ein Dampfungetüm gesehen. Sie wurden mächtig wild und flüchteten über den Graben in die Gärten der Anwohner. Zur Sicherheit mussten vor die Räder der Lokomotive eiserne Platten montiert werden. Das half aber nicht viel und es gab immer mehr Havarien. Lokführer und Kutscher waren sich auch nicht immer über die Vorfahrt einig. Besonders die Bauern wollten die Bahn von der Straße haben. Das ging aber nicht so schnell. Doch dann passierte ein Missgeschick. Anni Feind, ein 12-jähriges Mädchen, wurde zum Kaufmann geschickt. Sie wollte noch schnell vor dem Zug über die Schienen, verhakt sich mit dem Fuß hinter der Schiene und fiel hin. Der Zug fuhr über sie drüber und fuhr sie so tot. Nun dauerte es nicht mehr lange, bis das Gleis in die Feldmark verlegt wurde. Das war im Jahre 1912.

      Freundlichen Gruß, René
    • Moin,

      danke für Deine positive Anmerkung. Erst hatte ich überlegt, es nur im Original zu schreiben, dann aber den Entschluss gefasst: "Das kannst Du auch nicht machen." Vieles können sich die meisten Leser wohl herleiten, aber eben nicht Alles, zumal wenn man keine Erfahrungen mit dieser Sprache hat. :zwink:

      Un dat Best is: Bold fahrt wi wedder na Plattdüütschland.

      Dann bringe ich natürlich Berichte und auch Bilder mit.

      Freundlichen Gruß, René
    • Moin,

      blicken wir nun gemeinsam in das Jahr 1994 zurück, denn hier beginnt die Reise nach Nordfriesland. Ich war zu dieser Zeit als Zugführer bei der Dienststelle Hamburg-Altona im Einsatz. Zu den befahrenen Strecken gehörten die IC/EC-Verbindung nach Berlin, die ICE-Verbindungen nach Fulda und nach Frankfurt und natürlich die IC-Verbindung auf der Marschbahn nach Westerland auf Sylt. Gelegentlich ging es bei Dispo-Schichten auch auf der Vogelfluglinie nach Puttgarden oder nach Köln.

      Auf dem Bild schreiben wir den 12. März 1994 und es findet gerade der Lokwechsel in Hamburg-Altona statt. 218 153-5 und 218 287-1 werden bei typischen Hamburger Schmuddelwetter den IC 632 nach Westerland bespannen.



      Wie sagt man sprichwörtlich in Hamburg? "Das Wetter ist in der einen Hälfte des Jahres schlecht, während es in der anderen Zeit regnet." Da fühlt sich der Hamborger Plattschnacker erst richtig wohl. :zwink:

      Freundlichen Gruß, René
    • ... lesen, wo't wiedergeiht...

      Ich möchte mit meiner Erzählung noch kurz in Hamburg verweilen. Wir befinden uns im Jahr 1993. Ich hatte meine Anstellung im Fernverkehr in Hamburg-Altona angetreten und wer nun denkt, dass Wohnraummangel in größeren Städten eine Entwicklung der Gegenwart ist: Nein! Die ersten Monate verbrachte ich im Wohnheim der Deutschen Bundesbahn in Hamburg-Wilhelmsburg, bevor ich eine geeignete Wohnung gefunden hatte.




      Im Süden grenzt der Stadtteil Wilhelmsburg an die Süderelbe. Nu sett ik mi an'n Elvstrandrand... denn hier hat man einen Blick auf die Süderelbe-Brücke, welche gerade von einer S-Bahn der Linie 3 überquert wird, welcher aus Triebwagen der Baureihe 472/473 gebildet ist. Das Bild entstand am 27. Mai 1994.




      ... und wo wir gerade an der Süderelbe sind. Wie sagt man doch so liebenswürdig in Hamburg: :zwink:

      "Alles südlich der Elbe ist Norditalien!"

      Freundlichen Gruß, René
    • Moin leeve Lüüd,

      dann möchte ich mal mit meinem kleinen Bericht fortfahren. Immer noch sind wir dabei in Hamburg, aber nicht mehr so weit in der Vergangenheit. Am 05. Februar startete ich mit meiner Tochter wieder für ein paar Tage nach Nordfriesland. Dabei gilt es auch den Hamburger Elbtunnel zu durchfahren. Mit diesem etwa 3 Kilometer langen Nadelöhr des Nordens verbindet mich eine echte Hassliebe. Einerseits ist das Erreichen dieses Tunnels natürlich Ausdruck des baldigen Ankommens "im echten Norden" (Wahlspruch des Bundeslandes Schleswig-Holstein), andererseits quälen natürlich die ständigen Erfahrungen von Staus und stockendem Verkehr das Gemüt. Nun gut, auf der Hinfahrt nach Norden sollte sich der Elbtunnel aber dieses Mal sehr durchlässig zeigen.




      Allerdings meldete der Verkehrsfunk schon vor dem Elbtunnel eine einseitige Vollsperrung der Autobahn nach einem Verkehrsunfall und eine Staulänge von 4 Kilometern zwischen Pinneberg und Tornesch. Darauf hatten wir nun gar keinen Bock und so fuhr ich in Pinneberg von der Autobahn, um über Uetersen in Tornesch wieder auffahren zu können.

      In Uetersen Ost befindet sich die Immobilie des Lokschuppens / der Werkstatt der Immobiliengesellschaft Uetersener Eisenbahn, eines ehemaligen Verkehrsunternehmens mit sehr wechselvoller Geschichte. Über diese Bahn möchte ich kurz berichten. Was hat diese Bahn mit Nordfriesland zu tun? Die Uetersener Eisenbahn verkaufte die Strecke und das bewegliche Inventar am 01. Januar 1998 an die NEG in Niebüll. Dieses Unternehmen gehört mittlerweile zur Luxemburger CFL. Auf der Bahnstrecke Tornesch - Uetersen Ost führt die Tochtergesellschaft CFL Cargo Deutschland den Betrieb, welche ihren Sitz ebenfalls bei der NEG in Niebüll hat.

      Bei der Vorbeifahrt sah ich, dass das Gelände am Lokschuppen verwaist war, aber zu meiner Freude fuhr gerade eine Rangierabteilung aus dem Anschlussgleis der Uetersener Feldmühle (Papierfabrik) in den Güterbahnhof Uetersen Ost ein. Da suchte ich mir natürlich nahebei eine Parkmöglichkeit.



      Der Zug nach Tornesch wird im Güterbahnhof Uetersen Ost gebildet. Er ist mit Gravita 261 004-6 bespannt, welche auf den Namen "Paula" hört, wie es eine Anschrift an der Lok verrät. Diese Lok wurde am 01. Juli 2010 bei der northrail GmbH in Kiel in Betrieb genommen und ist seit 2017 an die CFL Cargo Deutschland vermietet. Vorher hatte sie längere Zeit in Skandinavien ihr sporadisches Zuhause. Gleich neben dem Güterbahnhof befindet sich der städtische Kindergarten und Lok "Paula" scheint bei den Kids mittlerweile eine Art Kultstatus zu besitzen, denn die Zugbildung und Zugabfahrt wurde von den am Zaum stehenden Beobachtern mit lauten "Paula"-Rufen begleitet.



      Aufgrund der Verkehrslage konnte ich den Zug auf der 4 Kilometer langen Strecke erst kurz vor Tornesch wieder überholen. Hier muss der Zug die Esinger Straße überqueren und der Triebfahrzeugführer muss dafür die Sicherungsanlage des Bahnüberganges einschalten. Im Hintergrund befindet sich der 30 Meter hohe markante Turm der Tornescher Kirche aus dem Jahre 1960.



      Wenig später überquert der Güterzug den Bahnhofsvorplatz von Tornesch. Hier bestand schon ab Betriebseröffnung der Uetersener Eisenbahn AG am 02. September 1873 Anschluss an die Altona-Kieler Eisenbahn. Die Uetersener Eisenbahn wurde zunächst als Pferdebahn betrieben. Im Jahre 1908 wurde der Betrieb mit Pferden eingestellt und Dampftriebwagen aus Berlin und Kastendampfloks übernahmen die Transportaufgaben. Die Strecke war zweigleisig ausgeführt. Ein Gleis diente dem Güterverkehr, während das andere Gleis dem Personenverkehr vorbehalten war. Nach Einstellung des Personenverkehrs am 30. Mai 1965 wurde das zweite Gleis abgebaut.

      In Tornesch konnte ich dann wieder auf die Autobahn auffahren und wir erreichten staufrei unser Ziel, die Stadt Tönning an der Eider auf der Halbinsel Eiderstedt... natürlich nun in Nordfriesland.

      Freundlichen Gruß, René
    • Moin,

      ich möchte nochmals kurz zur Uetersener Eisenbahn zurückkommen. In der ersten Hälfte der 1990-er Jahre war ich einige Male in Tornesch und Uetersen. Dabei bin ich die Strecke abgelaufen und habe mir dann diesen schematischen Gleisplan von Uetersen Ost gezeichnet. Einen Computer besaß ich damals noch nicht und so wurden Grafiken von mir von Hand erstellt. Heute... 25 Jahre später... ein fast undenkbares Szenario.



      Im Jahre 1904 wurde in Uetersen die Norddeutsche Papierfabrik gegründet, welche im Jahre 1905 die Papierproduktion aufnahm. Später wurde sie nach Fusion in Uetersener Papierfabrik umbenannt und noch später mit anderen Unternehmen zur Feldmühle zusammengeschlossen. Nach einigen Eigentümerwechsel war sie zuletzt wieder unter dem Namen Feldmühle Uetersen aktiv. Am 25.01.2018 wurde die Insolvenz des Unternehmens bekanntgegeben. Mehrere Investoren haben aber zwischenzeitlich ihr Interesse an der Übernahme bekundet. Hoffentlich legt ein neuer möglicher Eigentümer ebenso Wert auf den Schienengüterverkehr, denn die Feldmühle ist seit längerer Zeit der einzige verbliebene Güterkunde der ehemaligen Uetersener Eisenbahn.


      (Copyright-Hinweis: Dieses Bild ist unter freier Lizenz zur Veröffentlichung verfügbar.)

      Hier ein Blick auf die Norddeutsche Papierfabrik im Jahr 1907. Im Vordergrund befindet sich die Pinnau. Der Pinnauhafen war lange Zeit ein weiterer wichtiger Güterkunde der Bahn. Dafür führte ein Gleis durch die Stadt zum Stadtbahnhof, wo das Anschlussgleis zum Hafen abzweigte. Der Güterverkehr zum Hafen endete aber auch schon Anfang der 1990-er Jahre. Ein genaues Datum ist mir nicht bekannt. Heutzutage ist das Gleis noch vorhanden, wird aber seit langer Zeit nicht mehr genutzt und ein Prellbock in Uetersen Ost verhindert die Befahrbarkeit. Im Jahre 1996 wurde die Strecke zum Hafen nochmals im Rahmen der Festlichkeiten "125 Jahre Eisenbahn Tornesch - Uetersen" (Gründung der Bahngesellschaft) von der damaligen zweiachsigen MaK-Stangenlok zu Führerstandsmitfahrten genutzt. Dies ist auch die letzte mir bekannte Nutzung der Strecke zum Hafen.

      Die zweiachsige Mak-Stangenlok vom Typ 240 B war von 1954 bis 1998 bei der Uetersener Eisenbahn im Einsatz. Sie prägte das Gesicht der Bahn, als ich die Strecke kennenlernte. Im Jahre 1998 erlitt sie einen Motorschaden und wurde danach in Kiel-Friedrichsort als Denkmal aufgestellt. Im Februar 2005 wurde sie als Ersatzteilspender an die AHE Almstedt-Segeste abgegeben und für die Ersatzteilgewinnung in Kiel zerlegt, wobei nicht benötigte Teile vor Ort verschrottet wurden.

      Freundlichen Gruß, René
    • Moin,

      nun geht es mal weiter in Richtung Norden und gleichzeitig zurück in die Vergangenheit im Jahr 1994. Nun befinden wir uns in der Wilstermarsch, welche von der Bahnstrecke Wilster - Brunsbüttelkoog durchquert wird. In der Marsch befindet sich nahe der Bahnlinie in der Gemeinde Neuendorf-Sachsenbande die tiefste Landstelle der Bundesrepublik Deutschland mit 3,54 m unter NHN (Normalhöhennull).

      An einem Tag mit echten Schmuddelwetter stand ich auf dem Bahnsteig des ehemaligen Haltepunktes Schotten (Kreis Steinburg) im Kilometer 4,38 der Bahnlinie. Ein Personenzug würde hier nicht mehr halten, denn der Personenverkehr war schon vor Jahren eingestellt worden. Dafür gab sich die Zugspitze in der norddeutschen Tiefebene die Ehre und beglückte mich mit der Durchfahrt eines Güterzuges von Itzehoe nach Brunsbüttel. Bespannt war er mit Lok 364 863-1, während am Zugschluss die 365 158-5 ein wenig Unterstützung leistete.



      ... Blickrichtung Wilster



      ... Blickrichtung Brunsbüttel

      Warum befindet sich die tiefste Landstelle unserer Republik nun im Landesinneren und nicht direkt an der Küste? Man gestatte mir für die Landratten einen kleinen Exkurs in das Themengebiet der Sachkunde: In früherer Zeit trat die Elbe regelmäßig über die Ufer und Sinkstoffe lagerten sich besonders stark im Uferbereich ab. So bildete sich ein natürlicher Uferwall. Dieses Gebiet nennt man deshalb Hohe Marsch. Die Ablagerungen nehmen landeinwärts ab, da diese Bereiche nicht so oft vom Elbwasser überflutet wurden. Das Land liegt deshalb niedriger als unmittelbar am Flußufer, weshalb man hier von Niedriger Marsch redet. Begrenzt wird das Gebiet der Marsch von der Geest. Der Geestrücken bei Itzehoe erreicht eine Höhe von etwa 50 m über NHN. Die Geest ist durch Gletscherablagerungen während der Eiszeiten entstanden. Zwischen Geest und Marsch befinden sich noch die Randmoore, die sich durch Stauung von Regenwasser bilden. Bei normalen Fluthochwasser der Elbe würde sich der tiefste Punkt Deutschlands übrigens etwa 5 Meter unter Wasser befinden.

      Freundlichen Gruß, René
    • Moin,

      nun geht es endlich nach Nordfriesland. Ich kann nur sagen: Egal ob Ost oder West... ich mag die entspannte Art der Menschen im nördlichsten deutschen Bundesland. Das Reizklima der Küste ist nicht umsonst für tiefes Durchatmen bekannt. :zwink:

      Dazu passend möchte ich ein paar Bilder von abendlichen Stimmungen auf Eiderstedt zeigen, welche nahe Tönning entstanden sind:



      Für die Dreilande (Halbinsel Eiderstedt) typisch sind die Haubarge. Das Wort „Haubarg“ bezeichnet eine Stätte zum Bergen (Stapeln) von Heu. Mensch und Tier lebten in Haubargen jahrhundertelang unter einem Dach, wenn auch in getrennten Räumen. Ein typisches Merkmal dieser großen meist quadratischen Bauernhäuser ist das große Reetdach. Die Bauweise trägt unter anderem dazu bei, das Haus widerstandsfähig gegen Naturgewalten, insbesondere Stürme und daraus resultierende Sturmfluten, zu machen. Selbst wenn eine Sturmflut die Mauern eindrückt, halten die Ständer noch das Dach. Die Grundstruktur des Hauses bleibt unbeschädigt.



      Hier nun ein Blick in die meist durch Weideflächen und einzelstehende Gehöfte geprägte Landschaft der Marsch auf Eiderstedt. Alles erstrahlt in der abendlichen Wintersonne in einem goldenen Ton.



      Zwischen Harblek und Tönning ist hier ein Triebwagen der RBSH in Richtung St. Peter-Ording unterwegs. Auch hier zeigt sich die landwirtschaftliche Prägung von Eiderstedt durch die Stoppeln des im Vordergrund befindlichen abgeernteten Maisfeldes. (Foto vom 07. Februar 2018)

      Ich wünsche allen Lesern einen besinnlichen Sonntagabend und morgen einen guten Start in die Woche.

      René
    • Neu

      Moin,

      kurz möchte ich noch auf Eiderstedt verweilen, bevor ich mich anderen Regionen in Nordfriesland zuwende. Wie schon erwähnt, beschäftige ich mich mit der Geschichte der Bahnlinie auf Eiderstedt, deren Geschichte wirklich interessant ist. So steht z.B. in Tönning mit dem Güterschuppen das älteste noch weitestgehend original erhalten gebliebene Bahngebäude des ehemaligen Herzogtums Schleswig. Dieses Gebäude wurde immerhin schon im Jahre 1854 seiner Bestimmung übergeben. Das aber nur am Rande. Beginnen möchte ich diesen Beitrag mit einem Bild der Fahrt eines Triebwagens nach Bad St. Peter-Ording kurz vor Erreichen des Haltepunktes Kating.



      Dabei geht der Blick wieder über die Weidelandschaft. Im Sommer beleben hier noch Kühe und Schafe das Bild. Doch in der Wintersonne fährt der Zug allein durch die Weite. Im Hintergrund ist die Kirche des Dorfes zu sehen, welches den charmanten Namen Kotzenbüll trägt. Die Nikolaikirche wurde im Jahre 1495 fertiggestellt.

      Ich bin ein Freund des ländlichen Eiderstedts, fährt man aber mit dem Zug zum Endbahnhof (heute nur noch Haltepunkt mit Stumpfgleis), kommt man in den Ort des Sehens und des Gesehenwerdens. Trotzdem ist es auch mal ganz schön, auf der Seebrücke zur Sandbank zu laufen oder im Dünenwald spazieren zu gehen und so fuhren wir am Dienstag 08. Februar kurzerhand nach St. Peter Bad.

      Gleich beim Bahnhof beginnt der Dünenwald. Die Dünen machten aus St. Peter die "Wüsten Arabiens" (Beschreibung aus dem Jahr 1795), d.h. zu der Zeit waren es vorwiegend "weiße Dünen", Dünen ohne Bewuchs. Die Bepflanzung begann erst 1860 auf Anordnung der Deichgrafen, die für die Sicherheit der Landschaft verantwortlich waren. Der heutige Wald ist das Ergebnis dieser verordneten Bepflanzung. Hier geht der Blick vom Aussichtspunkt "Marleens Knoll" über die Dünen mit dem Wald in Richtung Sandbank mit den berühmten Pfahlbauten.



      Und während man mit der Tochter einen Spaziergang durch den Dünenwald macht, wird man aus der Deckung vom Reh beäugt.



      Bevor es nun aber zu wild wird, verabschieden wir uns wieder von Gosch, Arche Noah & Co... und im nächsten Beitrag geht es dann zu NEG, W.D.R. und Lorenbahn in Dagebüll.

      Freundlichen Gruß und Danke für euer bisheriges Interesse,
      René
    • Neu

      ... und als kleiner Nachschlag zur Eiderstedter Strecke und da es fast auf den Tag genau 23 Jahre her ist (15. Februar 1995), hier noch ein Bild vom Bahnhof in Tönning:



      Damals schon habe ich mich in diese kleine Hafenstadt verliebt. Mittlerweile war ich dutzende Male vor Ort und bin auch Mitglied der Gesellschaft für Tönninger Stadtgeschichte, was die Verbundenheit noch verstärkt.

      René
    • Neu

      Moin,

      nu fahrt wi na Naibel un vun dor na'n Haven in Doogebel. Hier stiegt wi denn op de Fähr na Wik (Feer). Na denn man tau!

      Dem Kenner wird aufgefallen sein, dass ich als Ortsnamen die nordfriesischen Bezeichnungen gewählt habe. Auf den Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Helgoland wird ein gänzlich anderer Dialekt des Nordfriesischen gesprochen, als auf dem Festland und den Halligen. So wird in Niebüll und Dagebüll der Dialekt des Bökingharder Friesisch als Teil des Festlandnordfriesisch gesprochen, während auf Föhr und Amrum der Dialekt des Fering-Öömrang als Teil des Inselnordfriesisch gesprochen wird. Interessant ist, dass Helgoland heutzutage als amtsfreie Gemeinde in den Kreis Pinneberg integriert ist, wobei Pinneberg (nur wenige Kilometer nördlich von Hamburg gelegen) im Landesteil Holstein zu verorten ist. Der Dialekt auf Helgoland ist aber das Halunder, welcher zum inselfriesischen Zweig der nordfriesischen Sprache gehört. Nordfriesland gehört aber zum Landesteil Schleswig.

      Dies mag als kleiner Exkurs in die nordfriesische Sprache reichen, denn mit meiner Tochter erreichte ich am Mittwoch, 07.02.2018 die Stadt Niebüll. Hier erwartete ich den Zug 8 der neg (Ankunft 10.54 Uhr) im Streckenkilometer 0,6 der Bahnlinie Niebüll - Dagebüll. Der Zug kam von der Mole in Dagebüll und ist aus dem VT 71 gebildet.



      Ein kleines Stück liefen wir zur Abstellung am Bahnhof, wo ich mal die neg-Güterwagen 27 und 28 ablichten wollte.



      Eigentlich wollte ich von Niebüll mit dem Zug nach Dagebüll fahren, um dort auf die Fähre umzusteigen, aber meine Tochter wollte Schiff und nicht Zug fahren. Gut, dachte ich, kann ich mir die Streckenführung mal aus anderer Perspektive ansehen, denn es war noch ausreichend Zeitreserve vorhanden, war es doch 1995, als ich die Strecke mal mit dem Fahrrad abgefahren bin. So kamen wir am Inselparkplatz in Dagebüll an, lösten uns das Fährticket und liefen gemütlich zur Mole. Dort traf gerade unsere Fähre "Schleswig-Holstein" ein.



      In einem der kommenden Kapitel werde ich mal einige Bilder vom Fährverkehr zeigen. Ich denke, dass es in Ordnung ist, diesen Blick zu wagen. Doch nun springe ich in der Zeit ein wenig nach vorne und so sehen wir hier den Zug 20 nach Niebüll (Abfahrt 14.15 Uhr), wie er das Deichgatt von Dagebüll passiert. Dieses wurde im Jahr 1911 eröffnet und wird im Rahmen der Arbeiten zur Deicherhöhung demnächst umgebaut. An diesem Tag war VT 71 im Pendel auf der Strecke eingesetzt.



      Dies war der Ausflug zur Norddeutschen Eisenbahngesellschaft, deren Strecke immerhin bis 1926 eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 1000 mm war. Doch dazu zum späteren Zeitpunkt ein wenig mehr.

      Bit anner Maal, René
    • Neu

      Hallo Renè,

      interressiert verfolge ich schon die ganze Zeit diese Beiträge, kann aber selbst dazu nicht viel schreiben. Denn ich habe bisher genau EINE Nacht in Schleswig-Holstein verbracht: Vor ein paar Jahren im Fährhaus Kollmar direkt am Elbdeich.

      In Dagebüll wird es jedoch interessant. 1997 war ich für zwei Wochen auf der dänischen Insel Römö, u. von dort aus haben wir auch einen Ausflug nach Dagebüll unternommen. Es war ziemlich windig u. regnerisch, u. die Leute beeilten sich von der Fähre zum Zug bzw. Auto zu kommen. Aus einem erhöhten Hafenkiosk ließ sich die Szene bei einem Kaffee entspannt beobachten. Auch das Feldbahngleis über den Deich ist mir damals aufgefallen.

      In einem alten Autoatlas war mir eine kurze Bahnstrecke auf Römö aufgefallen. Auf der Insel selbst stieß ich bei Wanderungen auf den "Gammel Skinnevej", also den alten Schienenweg. Erst viel später habe ich von der dortigen Pferdebahn erfahren.

      home.bahninfo.de/regional/schleswig-holstein/roemoe.htm
      Also auch bahntechnisch recht interessant, die Nordseeküste. :ok:
      Viele Grüße

      Holger
    • Neu

      Moin Holger,

      den Hafenkiosk an alter Stelle bei der Mole gibt es nicht mehr. Beim Neubau des Terminals am Anleger wurde aber ein neues Bistro eingerichtet, welches ebenso über eine erhöhte Terrasse verfügt. Der Überblick ist also erhalten geblieben. Auf dem folgenden Bildausschnitt kannst Du Dir einen kleinen Überblick verschaffen. Am linken Bildrand ist dabei das Stationsschild vom Bahnhof auf der Mole erkennbar.



      Vom Restaurant des Strandhotels kann man ebenso wunderbar über die Mole gucken und Züge und Schiffe beobachten.

      Viele Grüße und herzlichen Dank für dein Interesse, René

      P.S.: Ich muss zugeben, dass ich noch nicht auf der dänischen Seite war, aber im kommenden Sommer mal mit Familie nach Röm möchte, da wir das Naturcenter Tønnisgård besuchen wollen. (Link: Naturcenter) Vielleicht entdecke ich dann auch die alte Bahntrasse. Dann würde ich in diesem Thread berichten. Kommt aber auch ein wenig auf das Wetter an.
    • Neu

      Hallo Renè,

      Römö ist mir eigentlich sehr angenehm in Erinnerung geblieben. Schon die Fahrt über den Damm war ein Erlebnis. Es gab reizvolle Wanderungen in den alten bewaldeten Dünengebieten. Die westliche Hälfte der Insel sind eigentlich nur ein wahnsinnig breiter Sandstrand u. Dünen. Der Norden ist einsam mit alten Höfen.
      Unser Ferienhaus lag in der südlichen Hälfte im Dünenwald. Vor dem Urlaub wurde die ganze Familie mit Gummistiefel ausgestattet, um im Watt wandern zu können. Es war März, aber das Wetter dennoch sehr mild u. angenehm.
      Man konnte relativ dicht an die Nordspitze von Sylt heranwandern.
      In List auf Sylt waren wir mit der Fähre von Römö aus.
      List empfand ich als totlangweilig. Gleisreste der Sylter Inselbahn in Hafennähe waren mit irgendwelchen Rummelbuden überstellt. Wir waren froh, abends wieder auf Römö zu sein.
      In DK empfehle ich unbedingt einen Besuch der Kleinstadt Ribe!

      Beste Grüße

      Holger
    • Neu

      Moin,

      vom 13. Juli 1895 bis zum 30. April 1926 wurde die "Kleinbahnen Niebüll-Dagebüll OHG" als schmalspurige Eisenbahn in der Spurweite von 1000 mm betrieben. Sie war die erste Kleinbahn in der Provinz Schleswig-Holstein, die nach dem Kleinbahngesetz vom 28. Juli 1892 konzessioniert wurde und auch die erste, die entsprechend den Statuten mit finanzieller Hilfe der Provinz zustande kam.

      Eine Mitfahrt mit der Schmalspurbahn am Eröffnungstag beschreibt anschaulich das folgende Gedicht. Lok 1 "Wyck-Föhr" war eine kleine zweiachsige Kastendampflok der Bauart Bn2t welche bei Jung im Jahre 1895 unter der Fabriknummer 214 hergestellt wurde.

      In Niebüll sah ich, welch ein Wunder!
      Ehrenpforten bau'n,
      Und auf einem neuen Gleise
      War ein Zug zu schau'n.

      Als wir waren eingestiegen
      Ging es wirklich los,
      An der Spitze hört man's bimmeln,
      So was, denkt euch bloß!

      Vor den Türen ihrer Häuser
      Standen da die Leut',
      Sperrten Nase, Mund und Ohren
      Auf vor lauter Freud.

      Auch die Jungen und die Hunde
      Sprangen nebenher
      Und sehr häufig war es fraglich
      Wer der schnellste wär.

      Ängstlich flatterten die Gänse
      Zappelnd an dem Strick,
      Und es flohen Küh' und Kälber
      Mit entsetztem Blick.

      Und so ging es lustig weiter,
      Jede zwei Minut'
      Hat das kleine Dampfroß wieder
      Sich mal ausgeruht.

      Niebüll, Mittel, Süd und Deezbüll
      Fuhr'n wir alle an,
      Telegraphenstangen schoben
      langsam sich heran.

      Die "Moorhäuser" ganz natürlich
      Hemmten unseren Lauf,
      Und dann ging's ihr könnt es glauben,
      Ganz zum Blocksberg n'auf.

      Endlich nach viel Abenteuern
      Schwieg das Glöcklein still
      Und wir fanden heil und pünktlich
      Uns in Dagebüll.

      (Verfasser unbekannt)

      Nach Umbau der Strecke auf Regelspur wurde die Lok im Jahr 1926 verschrottet.

      Die Strecke war zur Eröffnung genau 13,785 km lang und die Fahrtzeit betrug 45 Minuten. Folgende Stationen waren vorhanden:
      km 00,00 Niebüll
      km 00,50 Mittel-Niebüll (Bedarfshaltepunkt)
      km 01,00 Niebüll-Süd
      km 01,40 Deezbüll-Trichter (Bedarfshaltepunkt)
      km 01,85 Deezbüll
      km 02,35 Deezbüll-Burg
      km 03,40 Moorhäuser
      km 04,40 Maasbüll
      km 06,20 Kleiserkoog
      km 08,80 Blocksberg
      km 11,30 Dagebüll Kirche
      km 13,78 Dagebüll Hafen

      Auf der Mole existierte damals noch kein Bahnhof.

      Freundlichen Gruß, René
    • Neu

      Moin,

      um die Berichterstattung ein wenig abwechslungsreich zu gestalten, möchte ich nun einige wenige Bilder vom Fährverkehr zeigen. Die "Schleswig-Holstein 4" hatte ich ja schon beim Bericht über die neg gezeigt. Das Schiff wurde 2011 bei der Neptun Werft in Rostock gebaut und bietet Platz für 1200 Passagiere und 75 PKW. Hier folgt nun noch ein Blick vom Aussichtsdeck auf die Brücke.



      Nun kommt die Insel-Skyline von Wyk auf Föhr, dem Ziel unseres kleinen Ausflugs, in Sicht.



      Von Wittdün auf Amrum kommend, nähert sich hier die "Rungholt" dem Fähranleger auf Föhr, um weiter nach Dagebüll zu fahren. Das Schiff wurde 1992 bei der Husumer Schiffswerft gebaut und bietet Platz für 1190 Passagiere und 53 PKW.



      Nun ging es zurück nach Dagebüll. Kurz vor dem Anlegen fuhr die "Uthlande 5" in Richtung Wyk ab. Dieses Schiff wurde 2010 bei der Sietas Werft in Hamburg gebaut und bietet Platz für 1200 Passagiere und 75 PKW. Am linken Bildrand ist der Pegelturm auf der Mole zu sehen.



      Hier noch ein paar erläuternde Worte zur Geschichte des Fährverkehrs zwischen Dagebüll und Föhr / Amrum:

      Die Ursprünge des heutigen Fährverkehrs lassen sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Seit 1662 sind regelmäßige Schiffsverbindungen zwischen dem Festland und den Inseln Föhr und Amrum nachgewiesen. 1872 eröffnete die damalige Wyker Fährgenossenschaft erstmalig einen Dienst zwischen Wyk und Dagebüll mit ihrem Dampfschiff "Föhr Et Dagebüll". Mitte der 1880er Jahre erkannten einige weitsichtige Wyker Bürger, dass durch den zunehmenden Fremdenverkehr Bedarf an einem neuen, größeren und moderneren Passagierschiff bestand. Am 14. März 1885 kamen schließlich in Wyk 33 Bürger unter Führung von Kapitän Boetius zusammen, um die Gründung der "Wyker Rhederei-Gesellschaft" zu beschließen. Tatsächlich reisten viele Badegäste damals noch mit den Dampfern aus Hamburg an, erst nach Fertigstellung der Bahnanbindung 1895 entwickelte sich Dagebüll allmählich zum wichtigsten Festlandshafen im Inselverkehr.

      Die "Wyker Rhederei-Gesellschaft" stand im Verkehr zwischen Wyk und Dagebüll zunächst in direktem Wettbewerb mit zwei anderen Reedereien. Nicht zuletzt Dank ihres modernen Schiffes konnte sie sich jedoch rasch am Markt durchsetzen und bereits ein halbes Jahr nach Betriebsaufnahme mit der "Wyker Fährgenossenschaft" ihren wichtigsten Wettbewerber übernehmen. Als knapp drei Jahre später, im Jahre 1889, auch die "Föhrer Dampfschiffahrts-Gesellschaft" in Liquidation ging, war die "Wyker Rhederei-Gesellschaft" konkurrenzlos. Sie firmierte in "Wyker Dampfschiffs-Rhederei-Gesellschaft mit beschränkter Haftung" um, viele Jahre später erst erhielt das Unternehmen seinen heutigen Namen "Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH". Den Verkehr nach Föhr betrieb die W.D.R. fortan allein, nach Amrum stand sie noch bis 1971 im Wettbewerb mit anderen Anbietern.

      Im Juli 1895 ging die seinerzeit schmalspurige Kleinbahn zwischen Niebüll und Dagebüll in Betrieb, die Verkehrsanbindung des Festlandshafens verbesserte sich damit erheblich. Diese von der Gemeinde Niebüll, dem Flecken Wyk und der Provinz Schleswig-Holstein gemeinsam finanzierte Bahn verhalf dem Bädertourismus auf Föhr zu einem weiteren Aufschwung, der bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs anhielt. 1918 übernahm die Stadt Wyk auf Föhr 75% der Gesellschaftsanteile der Reederei. Wenige Jahre später sahen sich die Föhrer und Amrumer mit einem Neubauprojekt konfrontiert, das sie zwar nicht direkt betraf, jedoch um ihre Wettbewerbsfähigkeit als Urlaubsregion fürchten ließ: 1924 begann der Bau des Hindenburgdamms nach Sylt. Auf Föhr und Amrum reagierte man schnell und entschlossen, um dem drohenden Wettbewerbsnachteil durch diese neue Dammverbindung zu begegnen. Bereits im Winter 1925/1926 wurde die Kleinbahn von Niebüll nach Dagebüll auf Normalspur umgestellt, so dass ab der Sommersaison 1926 direkte Zugläufe mit normalspurigen Wagen bis nach Dagebüll möglich wurden.

      Freundlichen Gruß, René
    • Neu

      Moin,

      nach dem Ausflug in das maritime Flair geht es nun ganz schnell zurück zur Bahn, genauer zur Lorenbahn. Mit meiner Tochter lief ich zum Dagebüller Leuchtturm und wir mussten feststellen, dass bei der kleinen Bahn an Tagen wie diesem ziemlich tote Hose herrschte. Trotzdem kann man ja auch mal ein paar Stillleben fotografieren.

      Hierfür eignete sich der Bauhof ganz gut und so suchte ich ein paar Loren, die ich in Szene setzen konnte. Dabei traf ich auf den wohl schönsten Wagen zur Personenbeförderung, der auf deutschen schmalspurigen Gleisen im Einsatz ist. Was ist gegen dieses Unikat das dutzendfache Einheitsgeraffel auf dampfbetriebenen Schmalspurbahnen? Kann sicherlich auch als fahrbare romantische Heimstatt genutzt werden. :zwink:



      Die Olsenbande stellt die Weichen? Vielleicht ist der Wagen vom vorangegangenen Bild auch das neueste Fabrikat der Firma "Franz Jäger, Berlin"?



      Dat gröne Huus: Blick auf den Lokschuppen der Bahn. Obwohl schönstes Wetter war, hatten die Loks keine Lust auf ein Sonnenbad. Stattdessen verstecken sie sich im Schuppen: bange Utkiekers.



      Auf der anderen Seite des Deiches verbarg die Nordsee ihr Antlitz unter Schnee und Eis.



      Ortswechsel... die Spurweite ist nun etwas schmaler geworden. Um zur nächsten Lorenbahn zu kommen, mussten wir das Naturschutzgebiet des Beltringharder Kooges durchqueren.



      Das Gegenlicht lässt hier das Watt silbrig schimmern, während man auf den Damm zur Hallig Lüttmoor guckt. Im Hintergrund sind die Warften erkennbar.



      Wer guckt bei seinem Auto nicht regelmäßig unter die Motorhaube? Da ist es nur recht und billig auch den Blick in das Innenleben einer Lore zu werfen.



      Das letzte Bild zeigt den Bauhof in Lüttmoorsiel, wo ein historisches Straßen- und ein historisches Schienenfahrzeug die Sonne genießen. Am linken Bildrand ist übrigens eine der Vogelbeobachtungshütten des Naturschutzgebietes erkennbar.



      Hiermit endet der diesmalige Besuch bei den beiden Lorenbahnen.

      Hier nochmals einige Worte zur Geschichte der Lorenbahn nach Lüttmoor:

      Im Jahr 1934 wurde die Hallig Nordstrandischmoor über einen Pfahldamm mit dem Festland beim Cecilienkoog verbunden, wo sich ehemals der Bauhof befand. Auf dem Damm wurden die Gleise der Lorenbahn verlegt, um Material zum Befestigen der Hallig und der Lahnungen zu transportieren. Die Streckenlänge betrug damals etwa 7 Kilometer. Im Jahr 1956 wurde der Damm durch Eisgang zerstört, danach aber wieder aufgebaut. Eine Verfüllung des Pfahldammes mit Bruchsteinen erfolgte im Jahr 1977, was die Standfestigkeit der Strecke erhöhte. Im Jahr 1987 wurde der Deich des neuen Beltringharder Kooges geschlossen. Daraufhin konnte die Strecke zum neuen Seedeich bei Lüttmoorsiel verkürzt werden, wo ein neuer Bauhof entstand. Die verbliebene Strecke hat eine Länge von 3,6 Kilometern. Zwischen dem Cecilienkoog und Lüttmoorsiel besteht nun ein Damm durch den Koog, auf welchem eine Straße verläuft. Durch massive Proteste von Naturschützern wurde der Beltringharder Koog im Jahr 1991 zum größten und unbewohnten Naturschutzgebiet des schleswig-holsteinischen Festlandes erklärt. Im Jahr 2000 wurde der Damm der Lorenbahn durch das Wattenmeer höhergelegt und ist nun auch bei Flut (außer bei Sturmflut) zu befahren.

      Bit anner Maal, René