Molli in Heiligendamm entgleist

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    • Molli in Heiligendamm entgleist

      moin moin,

      wie ich soeben durch die Nachrichten der OZ erfahren habe, ist der Molli heute in Heiligendamm entgleist, hier der Artikel der OZ dazu.

      Plottke Lennart schrieb:

      Historische Kleinbahn „Molli“ entgleist – drei Verletzte


      Unfall ereignete sich am Dienstag gegen 11 Uhr. Zug kam aus Kühlungsborn

      Heiligendamm. Bei der Entgleisung von drei Molli-Waggons im Bahnhof Heiligendamm sind am Dienstagvormittag drei Menschen verletzt worden. Die Schmalspurbahn war gegen 11 Uhr im Bereich einer Weiche aus der Spur geraten.
      Der Zug war aus Kühlungsborn in Richtung Bad Doberan unterwegs. Die Landeseisenbahnaufsicht, die DEKRA und die Kriminalpolizei haben Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen. Die Strecke der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli war mehrere Stunden voll gesperrt – Fahrgäste mussten auf die Rebus-Linie 121 ausweichen." gez. Plottke Lennart


      Es grüßt euch Stefan24
    • Hallo.

      Heute ist ein Unfall bei der Bäderbahn Molli Passiert. Ein einfahrender Zug aus Kühlungsborn, der in den Bahnhof Heiligendamm eingefahren ist entgleist.
      Hier wurde die Weiche wehrend des Einfahrenden Zuges wohl Umgestellt, aber das wird noch von den Beamten untersucht der genaue Unfallhergang, so das die Wagen entgleisten, leider waren auch drei Verletzte zu beklagen. Die Schuldfrage wird noch ermittelt.
      Hier einige Bilder.





















      Gruß Frank aus Bad Doberan
    • Stefan24 schrieb:

      Nach den Bildern von 99 312, schwirren gerade sehr viele Fragen in meinen Kopf, da ich selber beruflich Fahrdienstleiter auf einen Mechanischem Stellwerk bin.

      "Hier wurde die Weiche wehrend des Einfahrenden Zuges wohl Umgestellt, ..."

      Ist das jetzt nur eine Spekulation? Oder vorher hast du diese Info?

      Gruß Stefan24
      Hallo Stefan.

      Auf dem letzten Bild sieht man das die Weiche auf Abzweig steht, und die ersten drei Wagen noch im richtigen Gleis sind. Ab den vierten beginnen die entgleisten Wagen, und wenn man die Betonschwellen sich anschaut vermutet ich das hier die Weiche wehrend des Überfahren gestellt worden sein muß, oder ich kann mir ja auch Irren aber das glaube ich nicht.


      Gruß Frank aus Bad Doberan
    • Hallo Stefan,

      wenn du als Fahrdienstleiter auf einem mechanischen Stellwerk arbeitest, denn kennst du es ja, dass Weichen bei gestellter Fahrstraße und gezogener Einfahrt nicht umgestellt werden können. Dieses Verfahren gibt es auch in Heiligendamm. Um nun diese Einfahrweiche umzustellen, bedarf es der Auflösung der Fahrstraße. Du kannst dir sicherlich denken was ich jetzt damit sagen will.....

      Gruß Robert
    • Hallo Robert, ja das bewerkstellige ich ebenfalls täglich. Wenn die Fahrstrasse verschlossen war, wurde sie nicht ordnungsgemäß aufgelöst bzgl. Räumungsprüfung bzw. Halt des Zuges am gewöhnlichen Halteplatz, desweiteren Fahrwegprüfung, prüfen der Weiche auf frei von Fahrzeugen vor dem umstellen usw.. Jedoch möchte ich persönlich als Mitstreiter bzgl. Fahrdienstleiter, nicht gleich ohne das die Ermittlungen die Beweislage festgestellt haben, jemanden verurteilen, und das schon gar nicht hier im Forums,wenn du verstehst was ich meine.

      Schöne Grüße Stefan24
    • Hallo Lenni,

      eine Fahrstrasse in Mechanischem Stellwerk wird am Streckenblock oder Bahnhofsblock elektromechanisch verschlossen , d.h. Alle für den Fahrweg und Flankenschutz dazugehörigen Weichen, Riegel, Sperrsignale sind in die richtige Lage zu stellen. dann wird der für die Fahrstrasse benötigte Fahrstrassenhebel in endlage gebracht ( hoch oder runter), damit ist die Fahrstrasse mechanisch gesichert (geht nur umzulegen wenn alle dazugehörigen Weichen, Riegel ect. In der richtigen Lage sind ) und dann wird diese mit der Fahrstrassenfestlegung elektronmechanisch gesichern (verschlossen) . Erst danach bekommt man das Signal auf Fahrt. Das verschließen verhindert das umstellen der Weichen, Riegel usw. im Fahrweg unter dem Fahrenden Zug und des Flankschutzes , so dass diese erst durch den Zug selbst, aufgrund vorhanden sein von Achszählern, oder durch Hilfseinrichtungen wie FHT= Fahrstrassen Hilfsauflöse Tasten mit Zählwerk, nach der Räumungsprüfung aufzulösen sind. Ich würde es dir gern Bildlich darstellen, jedoch habe ich gerade nicht die Möglichkeit. Ich hoffe, ich konnte einwenig zur Aufklärung beitragen.

      Hier ein Videolink :


      Gruß Stefan24
    • Hallo Lenni,
      EDIT: Im oben verlinkten Video ist der Ablauf schön erklärt, daher nur mal ein Beispiel von "unserer" Bahn, bei der im Grundsatz dieselben Anforderungen an die Sicherheit auf anderem Wege erfüllt werden.
      Bei uns in Vatterode haben wir ja elektrische Weichen und Lichtsignale. Um z.B. eine Einfahrt von Signal A nach Wippergrund Gleis 1 zu stellen, muß Weiche 2 auf Abzweig gelegt werden. Die Weiche hat einen selbsttätigen Zungenverschluß, kann sich also aus der Endlage, wenn der Verschluß intakt ist, was durch entsprechende Kontakte selbsttätig überwacht wird, nicht von selbst umstellen. Dann kann Signal A auf Fahrt gestellt werden. Die Relaistechnik verhindert nun, wie der Fahrstraßenhebel im mechanischen Stellwerk, daß ich die Weiche umlege, solange das Signal auf Fahrt steht. Anders als beim mechanischen Stellwerk mit Bahnhofsblock kann ich aber jederzeit das Signal wieder auf Halt stellen und dann die Weiche umlegen, weil keine festgelegte Fahrstraße vorhanden ist. Der einfahrende Zug bewirkt durch Schließen eines Stromkreises, daß das Signal A selbsttätig auf Halt "fällt". Gleichzeitig kann die Weiche 2 nicht umgelegt werden, solange der Zug einen isolierten Gleisbereich, der die Weiche umfaßt, befährt. Diese Sperre ist durch eine Zeitautomatik noch zusätzlich abgesichert. Jedoch ließe sich, ähnlich der Fahrstraßenhilfsauflösung, die Weiche mit der Weichenentstörtaste umlegen, egal, ob sie durch den Zug befahren wird bzw. das Signal A auf Fahrt steht. Und auch diese Weichenentstörtaste ist mit einem Zählwerk gekoppelt. Das bedeutet: Wenn der Zug auf Weiche 2 in Wippergrund entgleist, dann hat a) der Fdl die Weiche 2 mit der Weichenentstörtaste unter dem Zug umgelegt oder b) die Sicherungstechnik (Relais, Zungenverschluß, Überwachungskontakte) war defekt. Fall a) läßt sich durch Vergleich der Zählwerkstände im Arbeitsbuch und am Stellpult ermitteln und Fall b) durch "Obduktion" der Sicherungstechnik.
      So, ich hoffe, ich habe das soweit richtig dargelegt. Jedenfalls finde ich den Bereich der Leit- und Sicherungstechnik, welcher "hinter den Kulissen" selbst für viele Eisenbahnfreunde oft verborgen bleibt, ausgesprochen interessant. Das macht gerade den Reiz der "Pioniereisenbahnen" aus, daß man da auch sowas lernt und versteht, wie Sicherheit im Bahnverkehr gewährleistet wird.
      Grüße,
      Rolf
    • Hallo,

      im Ausgangsbeitrag wurden keinerlei Vermutungen (sehr positiv!) ausgesprochen. Das eine Weichenzunge während der Überfahrt eines Zuges nicht mehr ordnungsgemäß anliegt, kann auch technische Ursachen wie z. B. Schienenbruch im Zungenbereich oder Femdkörper oder Schaden an der Stellvorrichtung oder sonstwas sein.
      Ich würde daraus nicht unbedingt auf ein zu frühes Umlegen der Weiche schließen. Warten wir doch einfach das Ergebnis der Untersuchung der Unfallursache ab, u. beteiligen uns nicht an Spekulatius.
      Den Verletzten wünsche ich vollständige Genesung.

      Beste Grüße

      Holger
    • Lieber Stefan, lieber Rolf,

      ich danke für die Ausführungen. So ähnlich hatte ich mir das vorgestellt, wusste aber nicht wie die Sicherung dann wirklich abläuft! In der Tat sehr spannend und gut gemacht!

      Das Video ist ebenfalls sehr gut gemacht, danke auch dafür!

      An Holger: das sehe ich genau so, Spekulation ist hier sicher nicht angebracht und die Genesung sollte an erster Stelle stehen. Mich hatte bloß (weil die Wörter in diesem Zusammenhang auftauchten) der Ablauf interessiert, um auch selber eben "einschätzen zu können", wie wahrscheinlich welcher Fall sein könnte.

      Einen schönen Abend,
      Lenni
    • Hallo Thomas,

      Das ist der Standort wo sich die entgleisten Wagen sich befinden ca 70m hinter dem Bahnübergang in Heiligendamm wo sich die erste Einfahrweiche sich befindet.
      Die ersten vier Fahrzeuge sind noch heil rüber gekommen, die nächsten drei sind entgleist wegen der falsch gestellte Weiche,(warum auch unbekannt wird ja bald aufgeklärt werden) und der Letzte Wagen war auch noch auf dem Gleis. Der ist unbeschadet davon gekommen.
      Die drei entgleisten Wagen werden erstmal einer technischen Untersuchung übersich ergehen lassen.


      Gruß Frank aus Bad Doberan
    • Hallo Thomas,

      die Weiche wurde unter dem einfahrenden Zug umgestellt. Das erklärt warum die Lok und die ersten drei Wagen unbeschadet die Weiche passiert haben. Hier ein Handybild, aufgenommen wenige Minuten nach dem Unfall. Die Rettungskräfte waren recht zügig vor Ort, Polizei und weitere Molli-Hilfsmannschaften waren zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht vor Ort:



      Die Lok und die ersten drei Wagen wurden kurze Zeit später vom verunfallten Zugteil abgekuppelt und sind bis Höhe EG vorgefahren. Das ist dann eben auf den Bildern von Frank zu sehen.

      Gruß aus Kühlungsborn

      Robert D.
    • Mal ne blöde Frage...

      In Heiligendamm werden die Weichen und Signale ja mittels Seilzug gestellt. Was passiert, wenn sich irgend ein Depp auf so ein Seil draufstellt, draufspringt? Die Sperren sind doch im Stellwerk und nicht an der Weiche? Dort ist doch nur ein Kontakt, welcher über die Endlage berichtet?

      mfg André, einem signal/weichentechnisch Unbegabten
      Mitglied in der Initiative Sächsische Eisenbahngeschichte e.V.
      der-letzte-sachse.de/